15 September 2017

Ergebnisse der Zwischenevaluierung von Horizon 2020 veröffentlicht

Die Europäische Kommission hat Ergebnisse zu Zwischenevaluierung von Horizon 2020 veröffentlicht und ein positives Fazit gezogen. Doch gewisse grundlegende Probleme bleiben.

Die Europäische Kommission hat sich bei der Zwischenevaluierung ihres zentralen Förderprogamms für Innovation – Horizon 2020 – einige Anstrengungen unternommen. Neben zahlreichen internen Auswertungen wurden Experteninterviews geführt, externe Studien vergeben und eine öffentliche Konsultation durchgeführt. All das diente dem Zweck, ein möglichst aussagekräftiges Bild zum aktuellen Stand von Horizon 2020 bekommen und nützliche Erkenntnisse für dessen restliche Laufzeit sowie vor allem für das nachfolgende Forschungsrahmenprogramm zu gewinnen. Entsprechend dieser Vorgabe sind die präsentierten Zwischenergebnisse sehr umfassend.
Im folgenden Beitrag wollen wir daher kurz auf drei positive und drei negative Ergebnisse der Evaluierung eingehen. Dafür nehmen wir die Perspektive eines Unternehmens ein, dass F&E-Aktivitäten betreibt und darüber nachdenkt, erstmalig einen Förderantrag bei Horizon 2020 zu erarbeiten.

Horizon 2020: Näher am Markt als vermutet

  1. Zunächst wäre ein solches Unternehmen in bester Gesellschaft. 78% der eingereichten Anträge kamen von erstmaligen Antragstellern, die zudem hauptsächlich aus dem privaten Sektor stammen. Dabei präsentieren Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) mehr als die Hälfte dieser ca. 55.300 Antragsteller. Die große Nachfrage bestätigt die hohe Attraktivität des Programms.

  2. Weiterhin ist Horizon 2020 aus organisatorischer Sicht schlanker geworden als seine Vorgänger. Durch vereinheitlichte Regeln und einige organisatorische Vereinfachungen ist der administrative Aufwand gesunken. Im Gegensatz zu den meisten nationalen Verfahren liegt der organisatorisch-administrative Aufwand allerdings immer noch auf einem anspruchsvollen Niveau.

  3. Horizon 2020 orientiert sich stärker an der marktnahmen Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Es werden nicht nur reine (universitäre) Forschungsarbeiten gefördert, sondern die praxisnahe Entwicklung von neuen Ideen ist ein wichtiges Element des Programms. Damit ist näher an der Alltagswirklichkeit vieler Unternehmen und automatisch attraktiver.

 

Hat das Programm nur kleine Makel oder substanzielle Probleme?

  1. Während es erfreulich ist, dass das Programm für Unternehmen recht attraktiv ist, ergibt sich daraus auch eine markantes Problem: Von den bisher ca. 102.000 eingereichten Anträgen, wurden nur ca. 11.100 (11,6%) bewilligt. Selbst bei hochqualitativ eingeschätzten Anträgen (ca. 45.600) kann, aufgrund der hohen Überzeichnung, nur ca. jeder vierte bewilligt werden. Gerade für Erstantragsteller stellt dies ein erhebliches Risiko dar. Dieser Sachverhalt wird durch eine interessante Zahl gestützt: Die EU schätzt die Kosten bei Antragstellern für nicht erfolgreiche Anträge auf ca. 1,7 Mrd. €.

  2. Auch wenn das Programm konkrete strategische Ziele verfolgt (z.B. Reduktion Treibhausgasemissionen, Fortschritte im Bereich ITK, Transformation zur Bioökonomie usw.) werden diese nicht immer in spezifischen Ausschreibungsrunden umgesetzt. Teilweise sind die bestehenden Runden thematisch sehr eng gefasst und behindern damit alternativ verfügbare und neuartige Lösungsansätze. Gerade hochspezialisierte Unternehmen mit spezifischen Technologien bleiben dabei leider manchmal auf der Strecke.

  3. Der Fokus von Horizon 2020 auf Exzellenz begünstigt eine gewisse Konzentration auf erfahrene Antragsteller. Große Unternehmen und Universitäten, die viele Anträge stellen und über erfolgreiche EU-Förderprojekte aus der Vergangenheit verfügen, haben damit gewisse Vorteile gegenüber KMU. Letztere können in den seltensten Fällen eine vergleichbar üppige Projekthistorie aufweisen, obwohl sie inhaltlich genauso qualifiziert sein können. Hier gilt es, die bestehende Expertise bestmöglich zu präsentieren.

Verbesserungsmöglichkeiten für mehr Erfolg auf europäischer Ebene

Zu Lösung der bestehenden Probleme bei Horizon 2020, bzw. bei dessen Nachfolgeprogramm, gibt es einige vielversprechende Möglichkeiten, z.B. Budgetaufstockung, konsequente Verwendung mehrstufiger Verfahren zur Reduktion des Aufwandes und Öffnung der thematischen Bandbreite, um nur einige zu nennen.Dennoch wird europäische Forschungsförderung stets spürbaren Wettbewerbscharakter haben und Antragsteller sollten alle Möglichkeiten nutzen ihr Projekt optimal zu planen und zu präsentieren, um eine realistische Chance auf Förderung zu haben.

Mit unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der europäischen Forschungsförderung kann Ayming sie tatkräftig bei der Planung und Umsetzung eines erfolgsversprechenden Förderantrags unterstützen. Kontaktieren Sie uns durch den Button „Kontakt“, per Telefon (0211 7106 750) oder per E-Mail: contactgermany@ayming.com